Über Colettes Roman „Die Katze“

Ménage à trois mit Katze

Colette (eigentlich Sidonie-Gabrielle Claudine Colette) ist eine der überzeugten Hunde- und Katzenfreunde der Literaturgeschichte. 2019 jährt sich der Todestag der Schriftstellerin Colette zum 65. Mal. 2018 (zum 145. Geburtstag der französischen Schriftstellerin) bringt der Verlag ebersbach & simon eine Neuübersetzung ihres Romans „Die Katze“ von Elisabeth Roth (im Original „La Chatte“ aus dem Jahr 1933).

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Alain Amparat, ein junger Mann aus bester französischer Familie heiratet die hübsche, reiche Camille (Tochter des Waschmaschinenfabrikanten Malmert). Eine sonnige Zukunft mit Sportwagen, Müßiggang und einer kleinen neuen Villa im elterlichen Park wartet auf die Jungvermählten.

Alles könnte federleicht und einfach sein, wäre das nicht „La Chatte“, Alains geliebte Katze Saha, die zwischen dem jungen Glück steht. Alain gehörte zwar „einem Kreis an, für den es undenkbar war, die Verwandtschaft des Menschen mit dem Tier anzuerkennen, geschweige denn, sie zu begreifen.“ Aber dennoch weiß er: „Ja, Saha, du hast etwas Menschenähnliches an dir.“

Es sind „ihre Vornehmheit, grenzenlose Uneigennützigkeit, ihre Lebenskunst, ihre Seelenverwandtschaft mit der Elite der Menschheit“, die er an der Katze liebt. Eine verhängnisvolle Seelenverwandtschaft, die Alain, Spross der angesehenen „Seiden-Amparats“, inniger mit der Katze verbindet, als mit seiner unternehmungslustigen Frau (die immerhin „nur“ eine „Waschmaschinen-Malmert“ ist.

Zunächst bezeichnet die selbstbewusste Camille die Katze nur im Scherz als „Nebenbuhlerin“, bald wird ihr aber klar, dass Saha für ihren Ehemann weit mehr ist, als ein harmloses Haustier. Colette zeichnet die Geschichte einer „Ménage à trois“ der besonderen Art. So sehr sich Camille um die Gunst der Katze bemüht, so sehr der verzärtelte Alain versucht, ein normales Eheleben zu etablieren: Saha steht zwischen den beiden und tritt – in ihrer „grenzenlosen Uneigennützigkeit“ – auf samtenen Pfoten einen dramatischen, ehelichen Erdrutsch los.

Dem heiteren Luxusleben, in das Colettes Protagonisten hineingeboren sind, haftet von Beginn ein Hautgout an; Alain tut sich schwer damit, sein behütetes Leben als verwöhnter Sohn seiner verwitweten Mutter hinter sich zu lassen, um im Hafen der Ehe endgültig festzumachen. Er hängt fester an seinem „ehemaligen Zimmer“ im großbürgerlichen Elternhaus, als es für einen erwachsenen Ehemann gut ist. Alain „schaltet ab“, wenn Camille Pläne für die gemeinsame Zukunft schmiedet und sucht die Nähe seiner Katze. Und Camille? Lebenstüchtig und pragmatisch wie sie ist, kann sie die inneren Konflikte ihres Gatten nicht erahnen. Es kommt wie es kommen muss, wenn Eifersucht, unglückliche Kommunikation und fehlendes Einfühlungsvermögen sich in einer Beziehung zu einem unguten Agglomerat verklumpen. Immer mehr spitzt die Geschichte sich zu, man ahnt beim Lesen nichts Gutes. Und während Camille noch die Zimmereinrichtung einer zukünftigen Kinderschar projektiert, bahnt sich die Katastrophe an.

Colette beschreibt diese Szenen einer Ehe spannend und unparteiisch. Die Sprache des kleinen Romans ist leichtfüßig, kunstvoll und anschaulich. Die Geschichte ist bei allem Zeitkolorit so, -wie man es von einer guten Beziehungsstory erwarten kann – zeitlos. Colette arbeitet die die inneren Monologe Alains psychologisch nachvollziehbar aus. Sein inniges Verhältnis zu Saha, seine Unfähigkeit sich von der Kindheit abzunabeln, seine Unsicherheit gegenüber seiner vitalen Ehefrau, seine Lebensuntüchtigkeit: All das analysiert Colette präzise und setzt es zu einem schlüssigen Charakter zusammen.

Mein persönliches Fazit:

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Colette mit Hund (1932)

 

„Die Katze“ ist ein lesenswerter Einstieg in Colettes umfassendes Werk und macht neugierig darauf, mehr von dieser klugen und scharfsichtigen Autorin zu lesen. Das Büchlein ist – mit rosafarbenem Lesebändchen und seidenem Buchrücken – eine Delikatesse für bibliophile Katzenfreunde und daher auch ein nettes Geschenk. Vielleicht jedoch nicht gerade zu Hochzeit und Verlobung. Denn: Nachdem man diese Geschichte gelesen hat, überlegt man es sich vielleicht zweimal, ob man sich als Dritter im Bunde in eine innige Mensch-Katzen-Beziehung hineinheiraten sollte.


Abbildung Cover: Rechte beim Verlag

Beitragsbild: Bibliothèque national (Franchttps://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b9053064j/ und https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b9053057d/)


Zum Buch:

Colette: Die Katze.

Verlag ebersbach & simon, Berlin, 2018

ISBN: 978-3-86915-156-4

144 Seiten, 18 Euro