Es ist nicht nur die Nachtigall …
Die elf Erzählungen in Thomas Pyczaks Buch „Nachtigall“ sind in sich abgeschlossene kurze Texte. Sie variieren in Stil und Genre, haben aber eine Gemeinsamkeit, die sie wie ein lose gesponnener roter Faden verbindet: In allen Texten spielen Tiere eine Rolle.
Pyczak schreibt über Hunde, Katzen, Vögel und einen Moskito. Nur die ersten Geschichte „Lederhosen“ bildet eine Ausnahme: Hier geht es um eine Großwildjägerin in schmucker bayerischer Tracht. Die Big Five, die sie erlegte, existieren nur noch als traurige Trophäen.
In Pyczaks Geschichten treiben sich geheimnisvolle „Klabauterkatzen“ auf Autofähren herum und Brieftauben retten Menschenleben.
Die Geschichten führen auf das Mittelmeer und nach Südamerika. In deutsche Großstädte und Flughäfen und nach Portugal. Manche Tiere (wie die Glückskatze in der gleichnamigen Geschichte) spielen nur marginale Rollen in der Handlung. Ein Moskito hingegen, vermasselt in einem Hotelzimmer in Florenz dem Protagonisten und Ich-Erzähler nicht nur den Sex, sondern auch die Beziehungsfähigkeit überhaupt.
Wie ich es sich für eine Buchvorstellung in einem Hunde-Literatur-Blog aber gehört, sind die Hunde in „Nachtigall“ in der Überzahl. Die meisten Geschichten handeln von Hunden und ihren Menschen. Da gibt es ein Hund, der drauf und dran ist, sich gegen das Leben mit seinem Besitzer zu entscheiden, und einen, der seine tote Besitzerin gar nicht vergessen kann. Ein ungestümer Terrier verwüstet den Frühstücksraum eines eleganten Urlaubshotels, ein munteres Chihuahua-Duo wird entführt, und ein gefährlicher Mastiff treibt in einem portugiesischen Dorf sein Unwesen.

Gefreut habe ich mich über die vorletzte Geschichte des Bandes. In „Qué pasa“ erzählt ein Mastiff die Geschichte eines Urahnen. Es geht um keinen geringeren Hund als den Lieblingshund des spanischen Königs Philipp IV, Domingo. Diego Velázquez hatte die Königsfamilie mit Hund und Hofzwergen unter dem Titel „Las Meninas“ um 1656 gemalt. Ein berühmtes Gemälde, für das Pyczak eine originelle Hintergrundgeschichte liefert.
Mein Fazit:
Thomas Pyczaks Erzählungen sind in einer klaren und ungekünstelten Sprache verfasst und damit ein gut lesbares, abwechslungsreiches und unterhaltsames Buch. Pyczak, der im Brotberuf als Storyteller arbeitet, weiß, wie man Geschichten aufbaut und Spannungsbogen aufrechterhält.
Übrigens:
Mit dem Erzählband „Nachtigall“ betritt Hund im Buch Neuland: Erstmals stellen wir ein Buch vor, das im Selbstverlag (Book on Demand) erschienen ist.
Abbildungen:
Abbildung Cover: Rechte beim Autor
Las Meninas oder: Die Familie Felipe IV, Diego Velázquez (1656). Quelle: Wikimedia
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Zum Buch
Thomas Pyczak: Nachtigall.
Erzählungen.
Book on Demand 2018
ISBN: 978-3746055503
248 Seiten, 9,99 Euro