Über Marlon Bundos und Jill Twiss‘ Bilderbuch „Ein Tag im Leben von Marlon Bundo“

Mit Puschelschwänzchen und Schlappohren für Toleranz und Vielfalt

Im Weißen Haus war der „First Dog“ immer eine wichtige Persönlichkeit. Seit 200 Jahren hielt jeder Präsident einen Hund (oder ersatzweise ein anderes Haustier). Donald Trump ist der erste Präsident der USA, der auf Haustiere völlig verzichtet. Das ist nicht gerade sympathiebildend.

Hier sprang Mike Pence in die Presche und versuchte mit Marlon Bundo, dem Familien-Kaninchen, Sympathiepunkte wettzumachen. Marlon Bundo avancierte zum Protagonisten eines Kinderbuchs aus der Hand Charlotte Pences, der Tochter des Vizepräsidenten.

Mike Pence gehört bekanntermaßen zu den Erzkonservativen unter Trumps Konservativen. Das rief den britischen US-Komiker John Oliver auf den Plan. Er bringt mit „A Day in the Life of Marlon Bundo“ eine Parodie auf das brave Pence’sche Kinderbuch „Marlon Bundo’s Day in the Life of the Vice President“ heraus, das hurtig auf Platz eins der New York Times-Bestseller-Liste landete. Der Text des Buchs stammt von der Komikerin Jill Twiss, die Illustrationen von EG Keller.

Während der Original-Marlon mit seinem Grampa Mike Pence langweilige Tage (auf der Hutablage einer Staatskarrosse) verbringt und seinen Opa zu öden Sitzungen begleitet, hoppelt der Marlon-Parodist mit vollem Karacho und auf eigenen Hinterläufen in das Liebesabenteuer seines Lebens.

Zur Geschichte: Marlon Bundo lebt im „schniekfeinen“ Vizepräsidenten-Sitz auf dem Gelände des U.S. Naval Observatory. Obwohl es ihm weder an einem leckeren Kaninchenfrühstück noch an einem eigenen Fernseher fehlt, ist der schwarzweiße Marlon nicht ganz glücklich. Denn „In einem alten, schniekfeinen Haus kann es nämlich ganz schön einsam sein“.

Auf seinem morgendlichen Rundgang durch den Garten trifft er dann auf seine große Liebe: „Ein großes flauschiges Kaninchen mit supersüßen Schlappohren und dem puscheligsten Puschelschwänzchen, das man sich überhaupt vorstellen kann.“ Das niedliche Puscheltier hört auf den schönen Namen Wesley und ist für Marlon Bundo – immerhin „Bunny of the United States“ – ein Fall von Liebe auf den ersten Blick.

Marlon und Wesley sind sich einig: Sie wollen nie wieder ohne den jeweils anderen hoppeln und sagen „Wir zwei heiraten, dann können wir gemeinsam durchs Leben hoppeln“. Die übrigen Tiere im Garten sind begeistert von diesen Hochzeitsplänen. Nur ein Tier ist anderer Meinung: Die Stinkwanze. Und die verkündet, dass Kaninchenjungen nur Kaninchenmädchen heiraten dürfen. Basta. Sollte damit der Traum vom gemeinsamen Hoppeln bis ans Lebensende scheitern?

Ich möchte den Ausgang dieser Liebesgeschichte natürlich nicht vorwegnehmen. Aber soviel sagen kann ich schon: Zum Schluss tritt als Pfarrerin ein Katzendame auf. Und die wird begleitet von ihrer Frau.

Ich bin von der Geschichte, die in diesem Buch erzählt wird sehr angetan. Sie handelt vom Anderssein und davon, dass Anderssein nichts Schlimmes ist. Und von der politischen Prophezeiung, dass Stinkwanzen nicht immer recht behalten müssen, auch wenn sie der Meinung sind, dass nur sie allein das Sagen haben.

Für Erwachsene liest sich diese Geschichte freilich als humorvolle Attacke auf den homophoben Mike Pence, dem ein schwules Kaninchen im eigenen „schniekfeinen“ Haus sicherlich ein Dorn im Fleisch wäre. Für Kinder handelt das Buch aber schlicht von zwei verliebten Kaninchen, die zueinanderstehen und Widerstände überwinden. Kinder lernen, dass es viele Facetten von Anderssein gibt und das es nicht so wichtig ist, „ob man nun ein Kaninchenmädchen liebt oder einen Kaninchenjungen, oder ob man sein Butterbrot von innen nach außen isst oder umgekehrt.“

Die Illustrationen von EG Keller greifen auf den ersten Blick den etwas süßlichen Stil der Aquarelle von Charlotte Pence auf, sind jedoch zudem humorvoll, detailfreudig und durchaus bissig. So weist die Stinkwanze nicht nur hinsichtlich des akkuraten Seitenscheitels im silbrigen Haar Ähnlichkeiten mit Mike Pence auf. Wie der Text sind auch die Illustrationen dergestalt, dass sie sowohl Erwachsene als auch Kinder ansprechen.

Mein Fazit:

Das Bilderbuch über Marlon Bundos Coming Out ist ein wunderbares Buch. Es ermöglicht gleich zwei Lektüren. Der niedliche Rammler mit der bunten Fliege um den Hals ist für Kinder im Vorlesealter ein Botschafter für Toleranz und Offenheit. Erwachsene lesen das Buch als Parodie auf das engstirnige Familienbild der Ära Pence-Trump und haben dabei ihre Freude. Was will man mehr?

Übrigens: Die Autoreneinnahmen für dieses Buch werden zu 100 % an The Trevor Project und AIDS United gespendet.


Abbildung Cover: Rechte beim Verlag


Zum Buch:

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Malon Bundo und Jill Twiss: Ein Tag im Leben von Marlon Bundo.

Illustriert von EG Keller.

Aus dem Englischen von Manfred Allié

Riva Verlag, München 2018

ISBN: 978-3-7423-0764-4

32 Seiten, 14,99 Euro