Über Stephan Bodens Buch „Einhundsegeln“.

„Man kann ohne Hund segeln, aber es lohnt sich nicht“

Gehört ein Hund auf ein Segelboot? Darüber scheiden sich die Geister. Fragt man in der Segler-Community herum (oder stöbert in den einschlägigen Foren) gibt es viele hartnäckige Gegner dieser Art von Törngestaltung. Meist sind dies Segler ohne Hund. Oder Hundehalter ohne Boot.

Menschen, die mit ihren Hunden an Bord gehen, sehen das meist anders. Stephan Boden ist einer von Ihnen. Ein Einhundsegler aus Überzeugung. Seine zierliche Jack Russel-Dame Polly (sie wiegt weniger als 6 Kilogramm) scheint die Segelleidenschaft ihres Kapitäns aus vollem Herzen zu teilen. Zumindest sprechen die zahlreichen Fotos, die Polly an Bord zeigen, dafür, dass ihr das Bordleben gefällt.

Stephan Boden nahm Polly bereits als Welpe mit auf sein Boot. Ihre Segelkarriere begann die Kleine auf einer Jolle, nun ist sie mit Boden manchmal wochenlang auf einer Segelyacht unterwegs. Wer in Bodens Buch detaillierte Erziehungsratschläge sucht, sucht in „Einhundselgeln“ vergebens. Boden ist, was den Hund an Bord angeht pragmatisch, probieren geht bei ihm übers Studieren. „Letztlich ist es kein wirklicher Unterschied, ob man Hunde, Kinder, Frau oder Freunde an das Bordleben gewöhnt.“ Was das praktische Leben an Bord angeht, sehen die Mitglieder der Boden-Polly-Crew das Ganze eher entspannt. „Auch Hunde brauchen Urlaub.“

Eines der Kernprobleme beim Segeln mit Hund (wo, wann und wie verrichtet der Vierbeiner seine großen und kleinen Geschäfte) haben Polly und Boden durch das Eintrainieren eines „P…“-Befehls scheinbar glücklich gelöst. So einfach kann das gehen. Ob man dafür auf dem Vordeck eine Hundetoilette braucht, muss jeder selbst entscheiden. Polly benötigt keine.

Übrigens bleibt Polly beim Segeln unter Deck, in der Koje. Das schützt vor einem HOB-Manöver (=Hund-über-Bord-Manöver). Boden sieht das aber undogmatisch. Was für Polly gilt, muss nicht für andere Hund gelten. Wie gesagt: Bodens Buch ist Erziehungsratgeber sondern ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht.

Wer schon einmal mit Hund unterwegs war, kann vieles von Bodens Erfahrungen bestätigen. Zum Beispiel lernt man außer dem Hafengelände (und den nächstbesten Restaurants und Cafés) viel mehr von den Orten kennen, die man ansteuert, als der „hundelose“ Hafenlieger. Schließlich muss der Hund ja nach dem langen Tag an Bord beschäftigt werden. In Bodens Sprache: „Der Hafen wird zu Pollys Disneyworld.“ Man trifft andere Menschen (übt Fremdsprachen), sieht mehr und bewegt sich auch mehr, wenn es nach dem Anliegerschluck noch mal zur Hunderunde geht.

Die kurzen Texte des Buches werden mit  herrlichen Fotografien illustriert, die Lust auf den nächsten Segelurlaub machen. Als Einhundsegler versteht sich.

Fazit:

„Einhundsegeln“ ist ein üppig bebildertes Plädoyer für das Segeln mit Hund. Klar:

„Ein Einhundsegler muss sich vieles kümmern, was dem Einhandsegler egal ist.“

Wem diese Verantwortung zuviel ist, der sollte entweder auf den Hund oder das Boot verzichten. Aber:

„Das was man von seinem Hund allerdings an Lebensfreude zurückbekommt, ist unschlagbar.“

Recht hat er!


Abbildung Cover: Rechte beim Verlag


Zum Buch:

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Stephan Boden und Polly: Einhundsegeln.

Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2015.

Mit zahlreichen Fotos und DVD.

128 Seiten. 19,90 Euro.

ISBN 978-3-667-10270-6