Über Sean Taylors und Jean Julliens Kinderbuch „Superkauz. Meister der Verkleidung“

Ein komischer Kauz hat Hunger

Um Mitternacht, wenn alles dunkel ist zischt Superkauz hungrig durch die Nacht. Superkauz ist ein seltsamer Kauz: Um sein Jagdglück zu vergrößern tut er etwas, was Käuze im Allgemeinen nicht tun: Er verkleidet sich. Als Karotte, als Mutterschaf, sogar als Vogeltränke. Das ist trickreich, führt aber nicht zum gewünschten Erfolg. Aber Superkauz ist nicht dumm. Er tüftelt einen Supertrick aus und schmeißt sich in eine Superverkleidung. Eins sei verraten: Hungrig muss Superkauz nicht in den Weiten der Nacht verschwinden.
Sean Taylors Geschichte von dem sonderbaren Käuzchen ist originell und lustig erzählt. Er kommt mit wenig Text aus, der von Nadia Budde in ein bildhaftes und kindgerechtes Deutsch gebracht wurde. Superkauz‘ Verkleidungen sind so kreativ wie gerissen. Obwohl er ein niedlicher, kugelrunder, roter kleiner Kuschelkauz ist, ist er eben auch ein Jäger. Gelingt es ihm etwa doch das putzige Häschen, das flauschige Lämmchen oder die hübsche Taube hinters Licht zu führen und zu erbeuten?
Bei aller Niedlichkeit ist die Geschichte spannend erzählt und die ganzseitigen, durchgängigen Illustrationen des französischen Zeichners Jean Jullien verleihen dem Ganzen einige Dramatik. Schließlich spielt die ganze Geschichte in den dunklen, „ungeheuren Weiten der Nacht“. Da kann man sich schon einmal kurz gruseln. Jullien malt seine flächigen reduzierten Tiere meist auf schwarzen Hintergrund. Da die Tiere aber weiß und blau und rot sind, wirkt das Buch auf keiner Seite düster.
Mein Fazit:
Superkauz ist ein netter Kerl, dem man von Herzen wünscht, dass er nicht hungrig in die Nacht fliegen muss. Das Buch eignet sich gut für kleinere Kinder und (wegen der großen gut lesbaren Schrift) auch für Leseanfänger.
Hier noch eine Anmerkung für unverbesserliche Besserwisser, zu denen ich mich leider auch zählen muss:
Im englischen Original heißt der Superkauz „Hoot Owl“. Hat hier jemand bei der Übersetzung Eulen und Käuze durcheinander gebracht? Keine Angst:
Die unterschiedlichen Bezeichnungen „Eule“ und „Kauz“ sind eine Besonderheit der deutschen Sprache. Zoologisch gibt es diesen Unterschied nicht.
Übrigens: Sowohl Eulen als auch Käuze haben ihre lautmalerischen Namen aufgrund ihrer klagenden und heulenden Rufe erhalten. Während Eulen eher als weise und bedacht gelten, muss der Kauz seinen Namen mit unbeholfenen eigenbrötlerischen Menschen teilen. Menschen können kauzig sein, aber meines Wissens nicht eulig. Aber all das ficht Superkauz nicht an, schließlich lebt er nach seinem ganz eigenen Motto:

„Jeder weiß,
der Kauz hat Grips,
Viele Kauze kennen Tricks.
Doch nur ich, zur Unterscheidung,
bin ein Meister der Verkleidung.“


Abbildung Cover: Rechte beim Verlag

Beitragsbild: huibu


Zum Buch:

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Sean Taylor (Text) und Jean Jullien (Illustration): Superkauz. Meister der Verkleidung.
Aus dem Englischen von Nadia Budde
Kunstmann-Verlag, München 2017
48 Seiten, durchgängig illustriert, 15 Euro.
ISBN 978-3-95614-207-9

2 Gedanken zu “Über Sean Taylors und Jean Julliens Kinderbuch „Superkauz. Meister der Verkleidung“

  1. Mikka Liest schreibt:

    Huhu!

    Deinen Blog muss ich mal einer Bekannten von mir empfehlen! Sie ist Buchhändlerin und liebt ihren Hund Frisbee über alles – der hat seinen eigenen Instagram-Account mit Buchfotos, und inzwischen schicken im Verlage sogar seine eigenen Leseexemplare. 😀
    https://www.instagram.com/frisbeederbuchhaendlerhund/

    Ich muss gestehen: ich liebe Hunde zwar auch, aber mein Tier ist definitiv alles Eulige. (Hier tummeln sich natürlich nur Plüscheulen, eine echte Eule zu halten, wäre ja Tierquälerei…) Insofern ist mir „Superkauz“ natürlich direkt ins Auge gesprungen! 🙂 Schöne Rezension!

    LG,
    Mikka
    Mein Blog auf Blogspot (2012-2017)
    Mein Blog auf WordPress (2017+)

    Gefällt 1 Person

  2. hundimbuch schreibt:

    Hallo Mikka,
    vielen Dank für dein Feedback. Ich werde es Frauli ausrichten. Sie ist so früh noch nicht online.
    Frisbee muss ich unbedingt kennenlernen. Ich fühle mich auf den Hundewiesen dieser Welt wegen meiner Bücherleidenschaft immer ein wenig als Außenseiterin und freue mich über einen Gleichgesinnten. Oder Leidensgenossen. Wie man es nimmt.
    Frauli hat übrigens keinen schicken Instagram-Account. Da ist sie hoffnungslos „old-scool“. Frisbee kann am einfachsten über Facebook Kontakt zu mir aufnehmen.

    Beste Grüße
    Pepita, die charmante Redaktionsassistentin

    Gefällt mir

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