Über Bernd Franzingers Kaiserslautern-Krimi „Pilzsaison“

„Eröffnet ist die Pilzsaison“

Im Pfälzerwald endet mein herbstlicher Ausflug in die Welt des Regio-Krimis. Nach Wiesbaden (Hundswut), Aschaffenburg (Weinmordrache) und München (Montezjuwelen) nun ein Pilzkrimi aus Kaiserslautern. Man könnte bei dem Titel „Pilzsaison“ einen Giftmord erwarten: Brave, kleine Ehefrau tötet tumben Ehemann mittels eines leckeren Pilzrisottos samt Safran und frisch geriebenem Parmesan.

Weit gefehlt: Bernd Franzinger „enttäuscht“ die Erwartung auf ein tödlich endendes Ehedrama. Er inszeniert lieber eine grausame Mordserie im spätsommerlichen Pfälzerwald. Frauenleichen, die kunstvoll mit Speisepilzen und Eichensprösslingen drapiert werden, geben Kommissar Wolfram Tannenberg einige Rätsel auf.

Leser und Ermittler tappen über weite Strecken im Dunkel. Rätselhafte Gedichte, die der Täter verfasst und versendet, tragen nicht gerade zur Erhellung der mysteriösen Serientat bei. Außerdem stellt sich Tannenberg bald die Frage, inwiefern er selbst in der Schusslinie des pilzliebenden Mörders steht.

Der Mörder ist von skrupelloser Intelligenz und auf grausame Weise kreativ. Während die Kaiserlauterner Kripo fieberhaft ermittelt, agiert er im Off und ist seinen Verfolgern immer eine Nasenlänge voraus. Sein skurriles Motiv ist schließlich so überraschend wie schlüssig.

Wie im Regio-Krimi häufig der Fall, baut auch Franzinger seine Story auf dem Gegensatz von betulicher Provinzstadt Kaiserslautern und blutiger Tat auf. Das ist genretypisch und dagegen ist auch nichts zu einzuwenden. Im Fall von Tannenberg fällt das gemeinsame Familienleben in der Großfamilie mit Eltern und Bruder für meinen Geschmack etwas sehr heil und friedlich auf. Eine stets kochende, backende und kümmernde Mutter, ein Vater, der mittels Internetrecherchen dem erwachsenen Kommissars-Sohn bei den Ermittlungen zur Seite steht: Hören diese Helikopter-Eltern denn nie mit der Brutpflege auf?

Davon jedoch einmal abgesehen, ist Franzingers Krimi flott geschrieben und bietet humorvolle Unterhaltung, nicht nur für Pilzsucher und Naturfreunde. „Pilzsaison“ ist der erste einer ganzen Reihe von Tannenberg-Krimis.


Coverabbildung: Rechte beim Gmeiner-Verlag


Zum Buch:

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Bernd Franzinger: Pilzsaison. Tannenbergs erster Fall.

Gmeiner-Verlag, Meßkirch, 2003/2017

505 Seiten, 12 Euro.

ISBN 978-3-8392-2180-8