Über Susanne Kronenbergs Wiesbaden-Krimi „Hundswut“

Niedliche Welpen, üble Geschäfte

Ein Hunde-Krimi aus Wiesbaden? An diesem Buch komme ich natürlich vorbei, ohne es zu lesen und zu rezensieren: Zum einen ist Susanne Kronenbergs Buch über illegalen Welpenhandel ein „gefundenes Fressen“ für jeden Hunde-Freund. Zum anderen erhoffe ich mir (als waschechte weil gebürtige Wiesbadenerin) von einem Krimi aus der Kur- und Landeshauptstadt ein besonderes Lesevergnügen.

In „Hundswut“ geht es zunächst um einen missglückten Mordversuch. Kommt das Opfer auch ungeschoren davon, so sind die Machenschaften, von denen der Krimi erzählt, mörderisch. Zumindest (jedoch nicht nur) für die Hundewelpen, um die sich die Story dreht.

Der Privatermittlerin Norma Tann lässt das Schicksal eines Windhundwelpens keine Ruhe. Er wurde dubiosen Umständen verhökert und stirbt elend an einer schweren Infektionskrankheit. Auf eigene Rechnung ermittelt Norma weiter und bringt die üblen Machenschaften skrupelloser Hundehändler ans Licht. Unter miserablen Umständen gezüchtete Welpen werden aus Osteuropa eingeführt und als billige „Wühltisch-Welpen“ mit gefälschten Papieren in Deutschland verramscht.

Susanne Kronenbergs greift in ihrem Krimi tatsächliche Machenschaften der internationalen Hunde-Welpen-Mafia auf, wofür ich ihr dankbar bin. Gut recherchiert stellt sie nicht nur das Elend der betroffenen Welpen und ihrer Mütter dar, sondern deckt auch die Gefahren auf, die lauern, wenn Hunde ohne notwendige Impfungen in Umlauf gebracht werden.

Das traurige Schicksal der Hundewelpen verknüpft Kronenberg mit einem schwelenden Familienkonflikt im idyllischen Wiesbadener Vorort Naurod. Mordversuch, Selbstmord, Mord: Wie so oft im Krimi und im Leben eskalieren die familiären Zwistigkeiten, wenn es um die Verteilung des Erbes geht.

An Lokalcolorit lässt der Wiesbaden-Krimi kaum Wünsche offen: Kronenberg versetzt den Krimi in die Zeit des alljährlichen Wiesbadener Weinfestes, vermittelt die architektonische Besonderheiten des Stadtbildes und bringt darüber hinaus die Konflikte um die ehemaligen Mainzer Vororte zur Sprache. Gut gefallen hat mir, dass die Autorin mit THermine eine echte Wiesbadener Rarität durch ihren Roman tuckern lässt. Gesteuert wird diese Kleinbahn im Dampflok-Outfit von Josefine, einer Analphabetin, die immer tiefer in das Geschehen des Krimis hineingezogen wird.

Mein Fazit.

„Hundswut“ ist ein gut lesbarer Regio-Krimi, der ein aktuelles Thema aufgreift. Vielleicht kann die Lektüre von „Hundswut“ die Ahnungslosen unter den Welpenkäufern davon abhalten, die Geschäfte der Hunde-Mafia zu unterstützen. Wünschen würde ich es mir. Handwerklich ist der Plot gut gesetzt, so dass das Buch nicht nur für Hundefreunde eine spannende Unterhaltung bietet.


Titelbild: Rechte beim Gmeiner-Verlag


Zum Buch:

Susanne Kronenberg: Hundswut. Ein Wiesbaden-Krimi.

Gmeiner-Verlag, Meßkirch, 2017

284 Seiten, 12 Euro.

ISBN 978-3-8392-2134-1