Über Manfred Baumanns Kräuter-Kurzkrimi-Sammlung „Blutkraut, Wermut, Teufelskralle“

Petersilie, Suppenkraut wächst nicht nur im Garten

Es ist ein Gemeinplatz: Frauen morden traditionell gerne mit Gift und Männer greifen lieber zu Schusswaffe, Messer und im Notfall auch zur Axt. Der weibliche Griff zum Gift entspricht auch dem gängigen Klischee, nachdem Frauen sich am Herd eher zuhause fühlen als vor dem Werkzeugschrank. Was liegt näher, als in Baumanns sechs Kräuterkrimis Morde zu erwarten, in denen Giftmischerinnen Kräuter zu so ausgeklügelten wie tödlichen Speisen und Getränken komponieren. Arsen und Spitzenhäubchen in trendgerechter Bioversion sozusagen. Giftmord greenwashed.

Weit gefehlt. Manfred Baumann kommt wider Erwarten in seinen Kurzkrimis ganz ohne Giftmorde aus. In einigen verzichtet er sogar völlig auf einen Mord. Seine Krimi-Miniaturen sind spannend, überraschend und ziemlich unblutig. Anstelle des hard-boiled. detective lässt Baumann in zwei Geschichten („Blutkraut“ und Teufelskralle“) Pater Gwendal ermitteln. Gwendal ist Mönch, Kräuterexperte und Hobby-Detektiv in Personalunion. Eine schillernde Persönlichkeit, die nachts in der Klosterkirche mit der E-Gitarre rockt und tagsüber auf dem Motorrad unterwegs ist.

Überhaupt wartet Baumann mit einem abwechslungsreichen Figurenensemble auf. In „Liebstöckel“ gibt es einen rotzfrechen Teenager, der seine tumben Entführer zur Verzweiflung bringt. Eine turbulente und humorvolle Geschichte, die vor allem durch ihre authentischen Dialoge lebt und sowohl für das Mädchen als auch für die beiden trotteligen Lösegelderpresser alles andere als geplant verläuft.

Meist sind es überraschende Wendungen, die Baumanns Krimis kennzeichnen. Der Protagonist in „Wermut“ ist ein so eitler wie unsympathischer Heiratsschwindler. Von sich eingenommen vom gepflegten Kopfhaar bis zu den gewienerten Schuhspitzen, lässt er sich selbstbewusst über seine ausgeklügelten Beutezüge aus. Oder ist der unwiderstehliche Typ gar nicht so unantastbar und clever, wie er glaubt?

Während des Lesens der Geschichten erfährt man einiges über Kräuter, ihre Wirkungen und ihre Namensgebung. Manchmal sind diese Erläuterungen für meinen Geschmack zwar etwas zu enzyklopädisch, dennoch ist die Verbindung von Kräuterwissen und Spannung durchgehend gut gelungen.

Die Krimis (eigentlich klassische Short-Stories) zeichnen sich durch handwerklich gut gearbeitete Plots und abwechslungsreiche Erzählperspektiven aus. Baumann kommt zwar ohne Arsen und Co. aus, jedoch kann er sich eine Spitzenhäubchen-Geschichte nicht ganz verkneifen: In „Petersilie“ lauert gerade da, wo es am gemütlichsten ist und am leckersten schmeckt, die Gefahr. Obacht: „Hotel California“ könnte auch im deutschen Mittelgebirge stehen. Und wie schon die Eagles sangen: „You can check out any time you like, but you can never leave!“

Mein persönliches Fazit:

Die kleinen Krimis von Manfred Baumann sind eine lesenswerte und unterhaltsame Lektüre. Auch Freunde des genretypischen 500-Seiten-Krimis sind bei diesen Geschichten gut aufgehoben. Spannend und manchmal etwas spooky verleiten sie zum Mehr- und Weiterlesen wie ein gut gemachter Cliffhanger.


Abbildungen: Gmeiner-Verlag


Zum Buch:

Manfred Baumann: Blutkraut, Wermut, Teufelskralle. 6 Kräuter-Krimis.

Gmeiner-Verlag, Meßkirch, 2017

346 Seiten, 15 Euro.

ISBN 978-3-8392-2099-3