Über Sabine Vöhringers München-Krimi „Die Montez-Juwelen“

Von Schönheiten und Scheußlichkeiten

Wie schon geschrieben, steht dieser Krimi-Herbst auf „Hund-im Buch“ auch im Zeichen des Regionalkrimis. Nach Kaiserslautern und Aschaffenburg ist nun München Schauplatz von Mord, Entführung und Intrigen.

Dass Bayernkönig Ludwig I. ein Freund schöner Frauen war, wird spätestens dann klar, wenn man die Schönheitengalerie des Schlosses Nymphenburg durchschreitet. Eine dieser Schönheiten war Ludwigs Geliebte Lola Montez. Der exotischen Frau machte der König ein überaus wertvolles Juwelengeschenk zur Morgengabe. Diese Montez-Juwelen (die Sabine Vöhringer eigens für ihren Roman erfunden hat) tauchen – mit nicht ganz eindeutiger Provenienz – 2014 in München beim Nobel-Juwelier Thromschatz wieder auf.

Dem Schicki-Micki-Bussi-Publikum wird bei Champagner und Häppchen das kostbare Geschmeide präsentiert. Eine Zwischenfrage des Journalisten und Münchner Szene-Kenners Hubertus Lindner bringt nicht nur die Stimmung des Juweliers in Schieflage. Als in derselben Nacht einer der Besucher der Vernissage ermordet aufgefunden wird, muss Hauptkommissar Tom Perlinger ran.

Selbst tief verwurzelt in der Münchner Traditions-Gesellschaft, beginnt er seine Recherchen und stößt – hinter Janker und Dirndl – auf einen ganzen Sumpf aus Gewalt, Habgier und Perversion.

„Die Montez-Juwelen“ sind ein spannender Lesestoff, nicht nur für Liebhaber der „Weltstadt mit Herz“. Die Story bezieht ihren Reiz vor allem daraus, dass sich hinter grundsolider bajuwarischer Brauhaus-Gemütlichkeit Abgründe eröffnen, die tiefer und verschlungener sind als die Bierkeller unter dem Nockerberg. So bietet der Krimi sowohl Sex and Crime als auch bayerische Schmankerl und Trachtler-Atmosphäre.

Wie für die meisten Krimis des Regio-Genres möchte ich auch hier die Maßstäbe literarischer Qualität nicht zu eng anlegen. Es hat Freude gemacht, den Krimi zu lesen; Sabine Vöhringer vermittelt Lokalkolorit und macht durstig auf eine anständige Maß bayerisches Bier. Da verzeihe ich gerne die eine oder andere schiefe Metapher oder ein unpassendes Bild.

Vöhringers Personen sind insgesamt sehr lebensnah und plastisch durchgearbeitet. Was ich auch in anderen Krimis schon bemängelt habe, gilt auch für Kommissar Perlinger. Er ist mir persönlich zu glatt, zu gut aussehend, zu untadelig. Six-Packs, Bizeps und dazu noch Intelligenz und Charme, so ein Charakter wird (in der Literatur wie im Leben) sehr schnell langweilig. Wenn er doch wenigstens saufen, zocken oder kiffen würde…

Im Gegensatz zum smarten Kommissar Tom Perlinger stehen die Bösewichte, die allesamt so hässlich sind, dass man durch ihr Äußeres sehr schnell auf ihren miesen Charakter schließen kann. Schwarz-Weiß-Malerei. Aber im Genre des Regio-Krimis möchte dies nicht generell verdammen.

Wenn sich am Ende die Welt des schönen Kommissars in wohlige „Dahoamlichkeit“ auflöst, werden sämtliche Klischees von bayerischer Gemütlichkeit bedient. Aber ist das schlimm? Nicht schlimmer als der Besuch der Wies´n oder des Hofbräuhauses. Gegen die raue Welt des Verbrechens setzt das Genre Heile-Welt-Medizin ein. Das ist zulässig. Manchmal wird die Arznei allerdings etwas überdosiert.

Wie in Aschaffenburg agiert auch im München-Krimi einen Rauhaardackel. Er heißt Günther und gehört Hubertus Lindner, dem Journalisten, der stets auf der Suche nach der Story ist. Ein echter Typ, dieser Hubertus: verwuschelt, chaotisch, alt aber kein Stück weise. Meine Lieblingsfigur!

Mein persönliches Fazit: Sabine Vöhringers Buch „Die Montez-Juwelen“ ist ein spannender und gut recherchierter München-Krimi. Lesenswert auch für alle Nichtmünchner und Menschen jenseits des Weiß-Wurst-Äquators. Und in meinen Hunde-Literatur-Blog passt der Krimi allemal: dem Dackel Günther sei Dank.


Beitragsabbildung: Pexels.com


Zum Buch:

Sabine Vöhringer: Die Montez-Juwelen. Kriminalroman.

Gmeiner-Verlag, Meßkirch, 2017

280 Seiten, 11,99 Euro.

ISBN 978-3-8392-2056-6

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