Über Cesar Millans autobiografisches Buch „Was Sie von Ihrem Hund lernen können“

Von Anerkennung bis Zuneigung

Kaum ein Hundeflüsterer vermag die Hunde-Szene so zu polarisieren wie Cesar Millan. Mit seinen Live-Edutainment-Shows lockt er – auch in Deutschland – Massen in ausverkaufte Hallen und Arenen. Er ist in den USA der Hundetrainer der Stars und Sternchen, tritt im Fernsehen auf und rehabilitiert und resozialisiert in seinem „Dog Psychology Center“ verhaltensauffällige und aggressive Hunde.

Aber sind seine Methoden tierschutzkonform? Kritiker werfen ihm vor, dass er seine körperliche Dominanz mittels Würge- und Elektroschockhalsbändern verstärkt. Cesar Millan also eher ein Tierquäler denn ein Hundeflüsterer? Zumindest wurde ihm 2014 in Hannover verweigert, in seiner Show live Problemhunde zu behandeln. Cesar Millan konnte die hierfür gemäß Tierschutzgesetz erforderliche Sachkunde nicht unter Beweis stellen.

Wie soll ich vor diesem Hintergrund nun Cesar Millans Buch „Was Sie von Ihrem Hund lernen können“ einordnen und bewerten? Zunächst einmal ist dieses Buch kein Erziehungsratgeber, sondern ein sehr autobiografisches Buch.

Millan beschäftigt sich nicht mit der Erziehung von Hunden sondern mit dem Gegenteil: Er führt dem Leser vor Augen, was Menschen von Hunden lernen können. In acht Lektionen lernen wir von A wie Akzeptanz bis W wie Weisheit einiges, was wir uns vom hündischen Verhalten abschauen könnten. Und wir lernen einiges über die Biografie und Denkweise des Autors.

Millan erzählt, wie er wie er als junger, mittelloser mexikanischer Einwanderer in die Staaten kam und bei seinem ersten Job in einem Pudelsalon merkte, dass er ein gutes Händchen für schwierige Hunde hat. Zäh kämpft sich der Autor gegen Widerstände durchs Leben und erfüllt sich schließlich seinen amerikanischen Traum von berühmten, reichen Hundeflüsterer. Vor dem Hintergrund der Vorwürfe der Tierquälerei, denen Cesar Millan sich immer wieder ausgesetzt sieht, liest sich das Buch immer wieder auch als Rechtfertigungsschrift. Millan gesteht sich immer wieder Fehler und menschliche Schwächen ein. Als Ehemann, als Vater, als Unternehmer. Wenn es um einen konkreten Vorwurf geht (bei einer seiner Resozialisierungsversuche verletzt die Französische Bulldogge Simon ein Schwein) gibt er sich zerknirscht.

Bezüglich der Vorwürfe, er verwende autoritäre Lehrmethoden und setze auf Dominanz entgegnet er: „Aber das ist nicht die Art Führung, die ich von meinem Großvater und Paloma (=einem seiner ersten Hunde) gelernt habe, und es ist nicht die Form von kreativer Führung, für die ich eintrete. Rudelführerschaft beruht auf Respekt und Vertrauen, nicht auf Angst und Herrschaft.“

Wie bei US-amerikanischen Sachbüchern üblich, hantiert auch Cesar Millan häufig mit Superlativen und gebraucht Begriffe wie „großartig“ und „Dankbarkeit“ häufiger als für das Verständnis notwendig. Gut gefallen an dem Buch hat mir die Auswahl unbekannterer Zitate bekannter Schriftstellern. Neben diesen Zitaten ergänzen kurze Zusammenfassungen von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen das Geschriebene. Unter dem Slogan „Aus der Welt der Promis“ werden als Testimonials Aussagen US-amerikanischer Prominente eingeschoben, deren Hunde Millan trainiert hat. Letzteres wäre aus meiner Sicht verzichtbar.


Rechte Cover: National Geographic Verlag

Beitragsbild: Something New in Dogs,  https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3A08205–1906-Something_New_in_Dogs-Br%C3%BCck_%26_Sohn_Kunstverlag.jpg


Zum Buch:

Cesar Millan: Was Sie von Ihrem Hund lernen können. Von Anerkennung bis Zuneigung.

In Zusammenarbeit mit Melissa Jo Peltier

National Geographic Verlag, München 2017.

240 Seiten. 22,99 Euro.

ISBN 978-3-86690-451-4

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