Über Stefano Mancusos Buch „Aus Liebe zu den Pflanzen.“

„Geschichten von Entdeckern, die die Welt veränderten.“

mancuso

Pflanzen sind oftmals unterschätzte, hochkomplexe Wesen. Stefano Mancuso ist überzeugt von ihren „kommunikativen Fähigkeiten, raffinierten Verteidigungsstrategien und sozialen Beziehungen“. Der italienische Biologe und Pflanzenforscher fasste seine Erkenntnisse 2015 in seinem Buch „Die Intelligenz der Pflanzen“ zusammen.

Mit dem Buch „Aus Liebe zu den Pflanzen“ – er selbst nennt es „Prolog“ – schreibt er eine Danksagung an all die berühmten und weniger berühmten Pflanzenliebhaber und -forscher, die mit ihrer Arbeit – beginnend bei Leonardo da Vinci – die Botanik begründet und vorangebracht haben. Der Autor stellt uns zwölf Männer vor, die sich in unterschiedlichster Weise um die Zunft verdient gemacht haben.

Natürlich gibt es die große Namen Charles (und Francis) Darwin und Gregor Johann Mendel, die auch dem Laien sofort einfallen, wenn es um die Geschichte der Botanik geht. Selbstverständlich behandelt Mancuso auch die Universalgelehrten Goethe, Rousseau und Leonardo da Vinci. Darüber hinaus werden sechs Männer vorgestellt, die eher dem Eingeweihten bekannt sein dürften, als einem interessierten Laien (wie mir).

Zu den noch bekannteren Botanikern gehört der Begründer der Pflanzenanatomie Marcello Malpighi (1628-1694). Er war einer der größten Wissenschaftler des 17. Jahrhunderts und Leiter des botanischen Gartens von Messina.

Der – noch als Sklave geborene – George Washington Carver (1864-1943) machte sich einen Namen als Erfinder der Erdnussbutter. Mancuso attestiert Carver, seine Ideen haben „die amerikanischen Nahrungsgewohnheiten“ für immer verändert.

Nikolai Iwanowitsch Wawilow (1887-1943) errichtete als erster eine riesige Samengutbank, die im 2. Weltkrieg die Beutegier der Nationalsozialisten weckte. Nach einigen katastrophalen Ernten wird er unter Stalin der „Sabotage der Landwirtschaft“ beschuldigt und für viele Jahre inhaftiert.

Mancuso widmet sich jedoch auch jenen Forschern, die – zu unrecht – nur wenig bekannt sind. Beispielgebend hierfür ist das Schicksal Ephraim Wales Bulls (1806-1895). Bull ist der Erfinder der Concord-Rebe, deren Trauben sowohl als Tafelobst als auch für Wein geeignet sind. Trotz des Erfolgs seiner Züchtung stirbt er verarmt. Seine Grabinschrift verfasste er selbst: „Er säte. Andere ernteten.“

Charles Harrison Blackley (1820-1900) war ein exzentrischer britischer Homöopath, der sich bereits von 150 Jahren mit einer quälenden Krankheit befasste; er identifizierte Pollen als Auslöser des Heuschnupfens.

Der Begründer der Pflanzenbiologie Federico Delpino (1833-1905), widmete sich in seiner Arbeit dem Verhältnis der Pflanze zu ihrer Umwelt und (was revolutionär war) ihrer Befähigung „zur Interaktion mit der Umwelt“. „Seine Leistungen sind (…) unbestritten; dennoch sind seine Werke bis heute selbst unter Forschern wenig bekannt, da er ausschließlich auf Italienisch publizierte.“ Schon Darwin beklagte dieses Problem

Die Titanwurz, ein spektakuläres Aronstabgewächs, verdankt ihre Entdeckung Odoardo Beccari (1843-1920). Er fand sie 1878 auf Sumatra. „Mit ihren kolossalen Proportionen und ihrer riesigen Blüte ist sie (…) die größte Blume der Welt.“ Die kolossale Pflanze avancierte – anders als Beccari selbst – rasch zum „Superstar der Botanik“.

Die kurzen Biografien sind spannend geschildert und anekdotenreich, was das Buch gut lesbar macht. Wir erfahren, dass Leonardo da Vinci als Erster die Anzahl der Jahresringe in Zusammenhang mit dem Alter von Bäumen brachte und dass Darwin von sich behauptete, „keine Pflanze von der anderen unterscheiden zu können“.

Die konkreten botanischen Erkenntnisse der einzelnen Protagonisten werden jedoch nicht eingehend beleuchtet. Dies ist bei zwölf begeisterten und vielseitigen Forschern auf 170 Seiten jedoch auch nicht erwarten. So lädt das Buch dazu ein, sich dem einen oder anderen Pflanzenliebhaber in Eigenregie anzunähern (und längst verstaubte Biologiekenntnisse aus Schulzeiten wieder hervorzukramen).

Dem Vorwurf, sich in seinem Buch keiner einzigen Pflanzenforscherin gewidmet zu haben, nimmt Mancuso von vornherein den Wind aus den Segeln: Mit einem Buch über das Leben von Frauen und Männern, die Pflanzen lieben, will er diesen „Mangel in Kürze wettmachen.“ Ich freue mich darauf.


Beitragsbild: Rechte beim Verlag


Zum Buch:

Stefano Mancuso: Aus Liebe zu den Pflanzen. Geschichten von Entdeckern, die die Welt veränderten.

Aus dem Italienischen von Christine Ammann.

Mit zahlreichen teilweise farbigen Abbildungen.

Verlag Antje Kunstmann, München 2017.

174 Seiten. 22 Euro.

ISBN 978-3-95614-170-6

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