Über das Buch „Waldbaden“ von Annette Bernjus und Anna Cavelius.

Waldluft macht glücklich

Stammleser unseres Blogs wissen: Pepita und ich sind keine Esoterikerinnen. Aber wir stehen allem offen gegenüber und lieben den Wald. Daher hat mich das Buch „Waldbaden“ von Annette Bernjus und Anna Cavelius interessiert.

Mir war immer klar, dass ein Spaziergang im Wald eine Wohltat für Leib und Seele ist. Ich denke, dass ich da auch für Pepita spreche. Mann kann den Wald sehen, riechen, hören und -in der Beerensaison- auch schmecken. Waldspaziergänge mit meinen Hunden sind für mich tägliches Ritual. Seit geschätzt 40 Jahren.

In meinem Blog habe ich im letzten Jahr einige Waldbücher vorgestellt (zum Beispiel:  „Der deutsche Wald. Eine Ideengeschichte“ , „Der Geschmack von Laub und Erde“). Das Phänomen „Wald“ hat anscheinend Konjunktur. Da stellt sich mir verständlicherweise die Frage: Was kann mir das Buch „Waldbaden“ an neuen Erkenntnissen und Impulsen schon geben. Entsprechend kritisch starte ich mit der Lektüre.

Das Waldbaden als bewusste Form des Aufenthalts im Wald hat seine Ursprünge in Japan, wo es als „Shinrin Yoku“ (übersetzt etwas „Baden in der Waldluft“) seit den 1970er Jahren praktiziert wird. In Japan gibt es bereits offizielle Shinrin-Yoku-Wälder, die gesundheitliche Wirkung des Waldbadens wird dort auch wissenschaftlich untersucht. So sollen Waldspaziergänge die Stresshormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin reduzieren, die präfrontale Gehirnaktivität entlasten, den Blutdruck senken, die Immunabwehr fördern und einiges mehr. Ursächlich werden hier pflanzliche Terpene und Phytocine genannt.

Die wissenschaftlichen Hintergründe können in „Waldbaden“, einem schmalen kleinen Ratgeber-Buch, nur gestreift werden können. Die Autorinnen geben jedoch mit ihrem Literaturverzeichnis und einigen Links die Möglichkeit, die Thematik zu vertiefen. In Deutschland beschäftigt sich beispielsweise die medizinische Fakultät der Universität München mit der Wirkung des Badens im Wald (http://ihrs.ibe.med.uni-muenchen.de/klimatologie/waldtherapie/index.html ).

„Prima“, denke ich mir. Bestätigt durch diese wissenschaftlichen Erkenntnisse werde ich die nächsten 60 Jahre mit meinen täglichen Waldspaziergängen einfach so weitermachen wie bisher. Pepita wird es freuen. Aber: Das tägliche Bad im „Gesundbrunnen Wald“ ist gar nicht so einfach, wie ich bisher dachte (Schuhe anziehen, Hundeleine anlegen, und stramm maschiert). Bernjus und Cavelius erklären nämlich in ihrer „Kleinen Anleitung zum Waldbaden“, wie sich man das „Therapeutikum Wald“ am besten verabreicht.

Vor allem geht es da um Entschleunigung. Schlendern heißt die Devise. Und immer wieder verharren. Stehen bleiben. Sich hinsetzen. Aber auch Balancieren und Barfußlaufen. Auf dem Programm stehen Übungen zu Achtsamkeit und Kreativität, Meditationen und Augenentspannung, Yoga und Qigong. Außerdem empfehlen die Autorinnen zusätzlich zum regelmäßigen Waldbad auch ganze Waldtage.

Ob man sich auf alle die Übungen einlassen wird, die in „Waldbaden“ beschrieben sind, das ist sicherlich Mentalitäts- und Geschmackssache. Aber, wie meist im Leben heißt es auch hier: Nichts muss. Alles kann. Ein paar Übungen habe ich schon ausprobiert. Manche lassen sich prima in unseren „Waldalltag“ integrieren; zu manchen, konnte ich mich noch nicht aufraffen. Das Büchlein ist aber so handlich, dass es in die meisten Jackentaschen passt.

Für Städter, die den Wald in der Regel joggend (mit Musik aus dem Kopfhörer) oder mountain-bikend (also im Tiefflug) konsumieren, sind die Waldbaden-Übungen sicher eine wohltuende Alternative zum bisherigen Tun. Wohltuend auch für die Mitmenschen und den Wald. Für viele Hund-Mensch-Gespanne (zu denen ich auch Pepita und mich zähle) sind die Waldbaden-Übungen eine gute Ergänzung und Bereicherung des täglichen Spaziergangs.

Nun kann ich nur hoffen, dass die Waldbaden-Bewegung nicht allzu viele Mitglieder findet. Wenn nämlich Alldiejenigen, die jetzt noch in Fitness-Studios schwitzen oder sich in Wellness-Oasen für teuer Geld durchkneten lassen, auf den Geschmack kommen und sonntäglich in die Wälder strömen, wäre es mit der geliebten „Waldeinsamkeit“ vorbei.


Abbildung Cover: Rechte beim Verlag



Zum Buch:

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Annette Bernjus mit Anna Cavelius: Waldbaden

Mit der heilenden Kraft der Natur sich selbst neu entdecken

mvg-Verlag, München 2018

ISBN: 978-3-86882- 918-1

160 Seiten, 14,99 Euro