Von der Gleichheit des Ungleichzeitigen

Über Monika Marons Roman „Munin oder Chaos im Kopf“

Rabenkrähen sind intelligent, scharfe Beobachter und als Aasfresser auf Schlachtfeldern und Richtstätten präsent. Corvus Corone, so die zoologisch korrekte Bezeichnung dieses Rabenvogels, dürfte also -über die Jahrhunderte hinweg – einige Einsichten in das Wesen des Menschen gesammelt haben. Vor allem die Schattenseiten der Geschichte müssten ihm zur Genüge bekannt sein, wenn man einmal davon ausgeht, dass Vögel über so etwas wie ein generationenübergreifendes, kollektives Gedächtnis verfügen.

Es dürfte eine reizvolle Angelegenheit sein, einzelne Kapitel der Menschheitsgeschichte einmal aus dieser „Rabenvogelperspektive“ erzählt zu bekommen. Mina Wolf, die Protagonistin in Monika Marons Roman „Munin oder Chaos im Kopf“ erhält genau diese Gelegenheit. Eine einbeinige Rabenkrähe besucht sie in ihrer Berliner Altbauwohnung, wird allmählich zutraulich und zunehmend gesprächig.

Nun ist aber das, was diese einbeinige Krähe so raushaut, alles andere als politisch korrekt. Empathie und soziale Verantwortung sind Fremdwörter für Munin, wie Mina den Vogel nach einem der beiden Raben Odins benennt. Für Munin sind Angehörige der Gattung Homo Sapiens -zumindest was den westlich-humanistisch geprägten Habitat angeht – lebensuntüchtige Gutmenschen:

Seit dem Holocaust „werft ihr euch schützend über alles, was ihr für schwach und hilflos haltet. Ihr rettet halbtotgeborene Kinder, die dann ein Leben lang gefüttert und gewindelt werden müssen, ohne je ein Wort des Dankes über ihre spastischen Lippen bringen zu können“. Für Munin ist die Sache einfach: „Sterben lassen, was nicht leben kann. So jedenfalls machen wir es.“

Die gesamte Rezension zu diesem diskussionsanregenden Roman gibt es auf fixpoetry.de


Abbildung Cover: Rechte beim Verlag


Zum Buch:

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Munin oder Chaos im Kopf

Monika Maron:

Munin oder Chaos im Kopf.

S. Fischer Verlag, Frankfurt, 2018

ISBN: 978-3-10-048840-4

222 Seiten, 20 Euro