Über Michael Ondaatje und Serge Blochs illustriertes Buch „Jasper braucht einen Job“.

Jung, begabt, arbeitslos.

Mrs und Mr Cletus haben ein Problem: Jasper, der Familienhund, kostet zu viel. Futter, Tierarzt, Profi-Gassigänger: Die Finanzierung des Dobermann-Rüden sprengt einfach das Familienbudget. Da kommt das Angebot einer Schultheatergruppe wie gerufen: Jasper soll in Cäsar und Cleopatra den Hund Cleopatras spielen. Jasper hat Freude an der Sache, genießt das Rampenlicht und entwickelt schauspielerische Talente. Umso schlimmer ist es für ihn, als nach einem rauschenden Premierenabend, acht Vorstellungen und begeisterten Kritiken alles vorbei ist. Mrs und Mr Cletus stehen vor demselben Problem wie zu Beginn: Jasper braucht einen neuen Job.

Jasper braucht einen Job ist eine kurze Geschichte, die Michael Ondaatje mit viel Humor erzählt. Mr Cletus kann zwar nicht gut rechnen, ist aber bauernschlau genug, um für Jasper in dieser Low-Budget-Produktion einen guten Vertrag auszuhandeln; er verlangt „dass der Hund korrekt im Programm aufgeführt würde, und zwar in einer Schrift, die nicht kleiner war als die der anderen Schauspieler.“ Jasper entwickelt Starallüren und will unbedingt nach den Vorstellungen in der Künstlerkantine oder „in irgendeinem Studentencafé Hof halten“. Er lässt sich dort mit Würstchen verwöhnen und kehrt erst nach Mitternacht beseelt nach Hause zurück. Ondaatjes Sprache ist knapp und pointiert, die kurzen Dialoge treffend und sehr lebendig.

Das Lesevergnügen wird noch vervielfacht durch die wunderbaren Illustrationen von Serge Bloch, die den anubis-köpfigen Dobermann zeigen, wie er gepflegt im Sessel sitzt, mit Messer und Gabel hantiert oder auch seiner Flatulenz auf der Bühne freien Lauf lässt. Die Figuren sind mit wenigen, flüchtigen Strichen grob skizziert.

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Gedruckt ist das kleine Buch im Flachdruckverfahren. Dominierend sind ein quietschiges Pink und ein sattes Mittelblau. Die grafische Gestaltung ist abwechslungsreich und kunstvoll: Frottage- und Collagetechnik, die Verwendung von verschiedenen Rasterungen und Fundstücken ergeben trotz sparsamen Farbkanons ein prächtiges Gesamtergebnis.

Dieses kleine, liebevoll in Fadenheftung gebundene, Büchlein (Reihe Tolle Hefte der Büchergilde) ist Ergebnis einer multinationalen Zusammenarbeit: Der Zeichner Serge Bloch kommt aus dem Elsass und lebt in New York und Paris. Der Autor Michael Ondaatje (von ihm stammt unter anderem der Roman Der englische Patient) stammt aus Sri Lanka und lebt in Kanada. Seine Geschichte von Jaspers Jobsuche wird hier zum ersten Mal veröffentlicht.

Als besonders lobenswert erwähnen möchte ich die liebenswerte Darstellung des Dobermanns Jasper. Kommen Vertreter dieser Rasse in Literatur und Film doch eher als Begleiter zwielichtiger Herren oder als aggressiv-tumbe Schutzhunde vor.

Geeignet ist dieses Büchlein (dem als Beilage eine großformatige Grafik von Jasper beiliegt) für Erwachsene und ältere Kinder. Nicht nur für aufgeschlossene Dobermannfreunde ist es eine wunderbare Lektüre.


Beitragsbild: Rechte beim Verlag


Zum Buch:

Michael Ondaatje, Serge Bloch (Illustrationen): Jasper braucht einen Job.

Aus dem Englischen von Anna Leube.

Edition Büchergilde, Frankfurt 2017.

32 Seiten. 16,95 Euro.

ISBN 978-3-86406-079-3

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